
Südfresko - Restaurierung
28.07.2008
Die während der letzten Wochen intensiv untersuchte und bearbeitete Fläche des Südfreskos kann voraussichtlich im kommenden Monat abgeschlossen werden. Das Fresko hat durch die Reinigung seine Frische und Leuchtkraft zurück gewonnen. Einige Gemäldepartien, z.B. die Figur eines Musikanten auf der Empore im oberen Bildteil, waren 1947 fast vollständig übermalt worden, um die durch Sinter verdunkelten Bildteile aufzuhellen. Mit Abnahme der Überfassungen und Beseitigung des Gipssinters mittels Ammoniumcarbonat (AC) ist nun die Malerei Tiepolos wieder sichtbar gemacht worden.
Nach Abschluß der AC-Behandlung (auch im derzeit noch zu bearbeitenden linken unteren Bildteil) sind kleine Teilrekonstruktionen (z.B. Fehlstellen in der Musikantenempore) und Retuschen erforderlich.

Foto: Tiepolo-Fresko über der Südseite des Kaisersaals; Bildausschnitt Musikantenempore mit Altarsäule am linken Bildrand. Die bereits gereinigte Gemäldefläche wird mit einer mineralischen Neutralkompresse zur weiteren Extraktion möglicher Schadsalze nachbehandelt.
Wie auf Agfa-Color-Aufnahmen von 1944 zu sehen ist, gab es bereits vor dieser Zeit v.a. auf der rechten Altarsäule des Südfreskos erhebliche Farbunterschiede, die besonders im oberen Teil des Säulenschaftes auf Feuchtigkeitseinflüsse oder frühere Reinigungsarbeiten zurückgeführt werden können. Braun- bis rotfarbige Flächen mit zahlreichen Retuschen belegen die Überarbeitungen. Der untere Teil des Schaftes weist dagegen eine violett-tonige Oberfläche aus, deren Farbigkeit in die Richtung des benachbarten Pluviale des Bischofs geht. Fraglich ist, ob diese violette Tönung durch die vorhandenen Pigmentgemische (Pr.Nr.60a: Beinschwarz, Rotocker, Spuren von Grünerde) oder durch eine kalkhaltige ("kühle") Lasur erzielt worden war, die möglicherweise auf die raffinierte Maltechnik Tiepolos zurückzuführen ist.

Foto: Tiepolo-Fresko über der Südseite des Kaisersaals; Bildausschnitt mit Bischof vor rechter Altarsäule. Auf seitlichem Hintergrund links der Säule aufgetragene mineralische Wirkstoffkompresse (Ammoniumcarbonat) auf Japanpapier - Schutzabklebung. Die benachbarten Flächen werden nicht mit AC behandelt, um möglicherweise originale Überzüge des Säulenschaftes keinesfalls zu gefährden (Absperrung mit Cyclododekan).
Im Zuge der Voruntersuchungen und kleinflächigen Arbeitsmuster gab es zwar keine Hinweise auf eine chemische Umwandlung oder Reduzierung der bestehenden Fassung, doch blieb der violette Schleier auf den Säulen nicht erhalten. In dieser Situation wurde entschieden, eine AC- Behandlung nicht durchzuführen. Es wird versucht, die durch zahlreiche (teilweise kaum abnehmbare) Fehlretuschen früherer Überarbeitungen veränderten Gemäldepartien mit behutsamen (reversiblen) Retuschen wieder herzustellen.

Foto: Erscheinungsbild der rechten Altarsäule durch frühere Fehlretuschen.
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