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Reduzierung von Übermalungen und Gipssinter

28.11.2007

 Wiederholt wurde im Zusammenhang mit den Tiepolofresken in der Würzburger Residenz auf die partiell starken Übermalungen (Retuschen) und die Oberflächen verdunkelnden Gipssinter hingewiesen. Dabei spielte der Einsatz von Ammoniumcarbonat eine große Rolle, da mit diesem hoch alkalischen Mittel Calciumsulfat (Gips) in Calciumcarbonat (Kalk) umgesetzt werden kann. Ein Reaktionsprodukt, das leicht lösliche Ammoniumsulfat, sollte möglichst durch geeignete Kompressen extrahiert werden. Da das (in maximal wasserlöslicher Konzentration von ca. 20%)  aufgestrichene Ammoniumcarbonat zum Teil in den Putzträger abwandert, wurden sogenannte Wirkstoffkompressen entwickelt, die eine gewisse Bindung des Wirkstoffs Ammoniumcarbonat an die oberflächennahen Schichten des Freskos sowie eine kontinuierlichere Wirkung erzielen sollen. Als „Bindemittel“ des Wirkstoffs erwiesen sich Tonminerale, Zellulose, feine Quarzsande oder Glasmehle in unterschiedlichsten Zusammensetzungen als geeignet.

Bei den laufenden Arbeiten im Kaisersaal wird Sepiolith verwendet, das im Gemisch mit Ammoniumcarbonat über einer Malschichtkaschierung aus Japanpapier als Wirkstoffkompresse aufgestrichen wird. Nach Einwirkdauer von etwa 1 bis 2 Stunden kann die Kompresse behutsam entfernt werden. Die an der Oberfläche „freigelegten“ Verschmutzungen und Umsetzungsprodukte der chemischen Reaktion können im Zuge der Nachreinigung (Foto) abgenommen werden. Im nachgeschalteten Arbeitsgang wird eine mineralische Neutralkompresse über dem behandelten Bereich aufgespachtelt, die zur Extraktion der Reaktionsprodukte mehrere Tage aufliegt. An hartnäckigen Stellen erfolgen ggf. weitere Behandlungsgänge.

Nachreinigung einer mit Wirkstoffkompresse behandelten Gemäldeoberfläche (Stichkappe VIII) mit Pinsel, Schwamm und Mikrodampfstrahler. 
 


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